Leseprobe
,, Als ich den Schlüssel ins Schloß steckte, hatte ich bereits das untrügliche Gefühl, daß etwas nicht in Ordnung war.
Vielleicht habe ich den Schlüssel nicht richtig herumge-dreht, oder es ist in mir der sechste Sinn wachgeworden, so etwas wie Schiwas Auge. Egal, ich beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen.
Die Überraschung ließ nicht lange auf sich warten, und sie war auch alles andere als unangenehm in Anbetracht des Umstandes, daß mein Bett nicht leer war.
Die grünäugige, wohlproportionierte blonde Schönheit, die in meinem Bett ausgestreckt lag und zwei große Kissen als Kopfstütze benutzte, schien auf mein Eintreten regelrecht zu lauern.
Gerade das Richtige für mich, war meine erste blitzartige, irgendwie stupide Überlegung. Ich wollte sie begrüßen, sie würdig oder meinetwegen begeistert willkommen heißen, kam aber nicht mehr dazu. Eine metallische, befehlsgewohnte und dennoch angenehme Stimme brachte mich jäh in die Wirklichkeit zurück.
“Nur hereinspaziert, Herr Torring! Vergessen Sie aber nicht, die Tür zu schließen. Wir haben da einiges klarzustellen.”
Erstens heiße ich nicht Torring. Zweitens war die Aufforderung überhaupt nicht freundlich gemeint, und der auf mich gerichtete kurzläufige, mattgraue Browning sah verdammt echt aus. Drittens hasse ich es von ganzem Herzen, mit einer Waffe bedroht zu werden.
Von all dem sagte ich aber wohlweislich nichts. Wozu auch.
Momentan blieb mir ja nichts übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
“Na, die Tür ist zu. Da Sie mich nun mal mit Ihrem Besuch beehren, werden Sie mir hoffentlich auch sagen, wer Sie sind - und was Sie von mir wollen. Wenn Sie auf Geld scharf sind, können Sie Ihre Waffe gleich wegstecken, ich gebe Ihnen alles, was ich habe. Viel ist es nicht. Und dann bleiben wir gute Freunde.”
“Hören Sie auf mit dem Quatsch, Herr Torring!” Die Stimme wurde eisig. “Es ist nicht das, was Sie meinen. Ist Ihnen der Name Tony Beresford ein Begriff?”
Das war es also. Ja, ich konnte mich erinnern, während unserer letzten Erlebnisse in Malabar von einem Beresford gehört zu haben. Er war ein junger Offizier, den Rolf der Beteiligung an einer Verschwörung gegen Oberst Garrick überführt hatte. Da er die Schmach nach der Entlarvung nicht mehr ertragen konnte, erschoß er sich, und zwar im Dienstzimmer seines Vorgesetzten. Wir bedauerten den Vorfall, trotzdem wir nichts dafür konnten. Es konnte aber auch eine kurzschlußartige Panikreaktion gewesen sein. Eine Panikreaktion angesichts des bevorstehenden, unvermeidlichen Verfahrens.
Die junge Frau auf meinem Bett konnte höchstens 25 Jahre alt sein, und sie stand dem Selbstmörder jedenfalls nahe. Sehr nahe, das wurde mir sofort klar. Nur eine Schwester oder eine Geliebte konnte sich zu so etwas dermaßen hinreißen lassen. "
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